Presse
13.12.2016, 19:41 Uhr | MOZ
Neuenhagen will allein bleiben
Neuenhagen (MOZ) Der Landesentwicklungsplan Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg (LEP HR) liegt den Kommunen vor. In der Gemeindevertretung gab es Diskussionen, ob es nun nicht an der Zeit wäre, den Planern das Mittelzentrum Neuenhagen/Hoppegarten nahezulegen.
 CDU-Gemeindevertreter Klaus Ahrens, ehemaliger Bürgermeister von Hoppegarten und Neuenhagen, ist bekennender Fan eines Mittelzentrums Neuenhagen/Hoppegarten. Seit dem ersten Landesentwicklungsplan in den 1990er-Jahren hätten beide Gemeinden etwa die gleiche Einwohnerzahl erreicht, gebe es immer mehr Verflechtungen, die dafür sprächen. "Wir sollten runterkommen von unserem Kirchturmdenken und diesen Schritt der Funktionsteilung mit Hoppegarten gehen", sagte Ahrens.

Andere Redner sprachen dagegen, befürchten, dass dem großflächigen Einzelhandel an der B 1/5 Tür und Tor geöffnet werden. Bürgermeister Jürgen Henze verwies auf gemeinsame Aktivitäten mit den Nachbargemeinden der IGA-Korrespondenzregion bis zur Fortschreibung des Katastrophenschutzplans. "Wir sollten alle unsere Orte im Mittelbereich gemeinsam zu lebens- und liebenswerten Orten gestalten. Wir brauchen dafür keine Funktionsteilung", sagte er. Er kritisierte, dass der vorliegende LEP die Gemeinden hinter Strausberg nur unterbelichtet betrachte. "Die Ausrichtung nur auf den Stern ist nicht gut. Wir brauchen auch eine Entwicklung im zweiten Ring. Die Ecke bis Müncheberg braucht eine vernünftige Infrastruktur", betonte er. Er wolle keine Tür zu den Nachbargemeinden zumachen, sondern regte Anfang 2017 die Vertiefung der Diskussion mit ihnen an.

In der Debatte stellte sich heraus, dass viele Gemeindevertreter Bauchschmerzen damit hatten, dass sie sehr rasch dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zustimmen sollten. Sven Kindervater (Linke) zum Beispiel wollte die Vorlage in die Ausschüsse zurückverweisen und dort diskutieren. Das ging aber nicht, da die Stellungnahme Neuenhagens bis 15. Dezember vorliegen muss. Dagmar Schultz (WG Die Parteilosen) wunderte sich über die Eile, denn am 15. September habe die öffentliche Beteiligung begonnen. "Ich bedauere sehr, dass wir so kurzfristig erst die Informationen bekommen", sagte sie. Dagegen verwahrte sich Henze. Er habe die Gemeindevertretung informiert, dass man den Plan im Internet einsehen könne.

Jürgen Hitzges (SPD) erinnerte an den ersten LEP. Damals hätten die Planer klar gesagt, dass sie ein Mittelzentrum Hoppegarten oder Fredersdorf-Vogelsdorf nicht genehmigen würden, da beide Kommunen an der B 1/5 große Areale hätten, auf denen Einzelhandel möglich sei. Auch ein Mittelzentrum Hoppegarten/Neuenhagen wurde aus selbigem Grund ausgeschlossen "Ich warne davor, die Diskussion von damals zu wiederholen. Wir laufen Gefahr, dass wird dann kein Mittelzentrum mehr sind", sagte Hitzges.

Auch Georg Stockburger (B 90/Grüne) warnte vor riesigem Einzelhandel an der B 1, wenn Hoppegarten gleichberechtigt Mittelzentrum sei. Er und Corinna Fritzsche-Schnick (CDU) betonten, dass Neuenhagen davon unabhängig großes Interesse daran hätte, die Zusammenarbeit mit Hoppegarten weiter zu vertiefen. Im Endeffekt stimmten die Gemeindevertreter zu, dass Neuenhagen, so wie im LEP HR vorgeschlagen, allein Mittelzent-rum bleiben soll. Grundsätzlich vermissten sie eine Diskussion über die zentralen Orte im Verflechtungsraum.

In Hoppegarten hingegen ist das Interesse an der Funktionsteilung groß. Bürgermeister Karsten Knobbe informierte am Montag auf der Sitzung seiner Gemeindevertreter, dass er den 2006 geschlossenen Vertrag mit Neuenhagen zur Funktionsteilung des Mittelzentrums wieder anschieben will. Dazu möchte er sich mit seinem Amtskollegen Henze treffen.